Warum fühlen wir uns an manchen Tagen anders als an anderen? Um die Wende zum 20. Jahrhundert suchten Wilhelm Fliess und Hermann Swoboda nach festen zeitlichen Mustern im menschlichen Leben. Ihre Überlegungen prägten die spätere Biorhythmus-Lehre.
1858–1928 · BERLINWilhelm Fliess
Der Berliner Hals-Nasen-Ohren-Arzt war ein enger Briefpartner Sigmund Freuds. Fliess glaubte, in körperlichen Vorgängen und Lebensereignissen wiederkehrende Abstände zu erkennen. Im Mittelpunkt seiner Periodenlehre standen Zyklen von 23 und 28 Tagen.
1906 legte er seine Vorstellungen in Der Ablauf des Lebens ausführlich dar. Die heute geläufige Zuordnung zu einem körperlichen und einem emotionalen Zyklus gehört zur späteren populären Ausgestaltung des Modells.
1873–1963 · WIENHermann Swoboda
Der österreichische Psychologe und Hochschullehrer beschäftigte sich mit der Wiederkehr von Gedanken, Gefühlen und anderen Erlebnissen. 1904 veröffentlichte er Die Perioden des menschlichen Organismus in ihrer psychologischen und biologischen Bedeutung.
Auch Swoboda vertrat die Vorstellung regelmäßiger Lebensperioden. Wie eigenständig seine Ideen gegenüber denen von Fliess entstanden waren, wurde zum Gegenstand eines historischen Prioritätsstreits.
Historische Theorie und heutige Forschung
Die Geschichte dieser Ideen ist von der wissenschaftlichen Erforschung biologischer Rhythmen zu unterscheiden. Die Chronobiologie untersucht nachweisbare Prozesse wie den Schlaf-Wach-Rhythmus. Die starren, ab der Geburt laufenden Zyklen des klassischen Biorhythmus-Rechners sind dagegen kein wissenschaftlich belegtes Verfahren zur Vorhersage von Stimmung, Gesundheit oder Leistung.